Daheim & Unterwegs

Kachetien: Durch Tilavi zum Ladogeshi Nature Reserverve

Kachetien: Durch Tilavi zum Ladogeshi Nature Reserverve

Das Tal des Alazani ist ein etwa 15 km breites Becken von Nord-West nach Süd-Ost. Das ist das Haut-Wein-Anbaugebiet Georgiens,, wobei das Süd-Östliche Ende in Azerbaijan liegt. An jeder Seite des Tals verläuft je eine Strasse.

Am Vorabend hatten wir versucht über Feldwege bis zum Fluss zu kommen. Aber nach gefühlt einer Stunde Gerumpel hatten wir nur die Hälfte der Entfernung bis zum Fluss geschafft - obwohl es die ganze Zeit in die Richtige Richung ging.

Kleine Pazellen mit Wein aber auch allem möglichen anderen. Verschwederische Bewässerung (Überflutung mit undichten Leitungen) ab und zu ein gefasste Quelle. Die Nacht über allerlei komische Geräusche von Mensch, Tier und Maschine.

Morgens dann los. Es soll zum Lagodeshi Nationalpark gehen. Natürlich will ich einen anderen Weg zur Haupotstrasse nehmen, als ich gekommen bin. Der hat aber mitten im Dorf niedrig hängende dicke Äste. Unter Wegsetzen von PKW für eine Ideallinie und reger Anteilnahme der lokalen Bevölkerung knirschen und Brechen wir durch das Holz. Doof irgendwie und danach schielt - wie so oft - der rechte Scheinwerfer auf dem Dach. Da muss ich mir mal was anderes überlegen.

Nachdem sehr viel Astwerk & geerntete Nüsse und Obst vom Auto entfernt sind (ist das ein Harvester?) geht es weiter die 43 nach Akhmeta und dann die 42 nach Telavi.

Wir halten an einer Bäckerei, wo ein zahnlose Mütterchen an einem Bronzezeitlichen Ofen Brot backt. Der Ofen wird von oben beschickt, das Brot kostet 0,5 Lari und schmeckt köstlich.

Ich will umbedingt den Ofen fotografieren und Frage die Alte. Aber nicht die Beifahrerin. Die findet Leute Fotografieren generell akward, das ich die Alte überrumpelt hätte. Nach dem Stress mit dem Bäumen ist die Luft explosiv so das wir erstmal in eisiger Stille weiterreisen. Bei der Anreise war alles friedlich, aber seit wir in Georgien sind gibt es öfters Gewitter. Scheinbar müssen wir uns noch an das Reisen im Urlaubsland und uns gegenseitig gewöhnen.

Wie ja nicht unüblich endet jeder Tag damit, dass ich einen Großteil der Strecke gefahren bin. Und irgendwie denkt man als Fahrer ja leicht, das der Beifahrer doch überwiegend frei hat und zeit, all die Sachen zu machen, die man während der Lenkzeit nicht machen kann oder darf oder soll. Also zB alle verfügbaren Karten und Datenquellen miteinander abgleichen. Aber das mag die Beifahrerin ja für überflüssigen Blödsinn und unnötig halten.

Auch muss der Fahrer ja so schon permanent kleine Entscheidungen treffen (überholen? hier tanken? rechts oder links?) treffen muss. Da hätte ich vom Beifahrersitz gelegentlich lieber eine Entscheidung als noch mehr Entscheidungksmöglichkeiten. „Der Obststand hatte schönes Obst“ Ja und? Ist das jetzt eine reine Information? Oder bedeutet der Satz eigentlich „Schöner und starker Fahrer, bitte halte hier, ich möchte Obst kaufen!“ Oder bedeutet er gar „Ich glaube man könnte hier gut Obst kaufen, ich möchte die Entscheidung aber nicht treffen, sondern entweder motzen, dass Du zu schnell gefahren bist und wir jetzt kein Obst haben, oder alternativ motzen, dass Du an dem blöden Obststand angehalten hast und es hier doch gar nix leckeres gibt.“

Wie üblich geht es um Kommunikation und Wertschätzung. In alle Richtungen. Und um Konflikte, die man eigentlich mit sich selber hat und den anderen da mit reinzieht. Alternativ auch mal Sachen, in denen man selber nicht gut ist und wo man dann impliziert vom anderen erwartet, da besser drin zu sein und die eigene Krücke zu ersetzen.

Das gute ist: am ende dieses Tages haben wir uns eingeschwungen und kommen recht friedlich über die folgenden Urlaubstage.

Telawi

Wir kommen jeden falls gegen Mittag mit noch recht ozonhaltiger Luft (das Gewitter ist noch nicht zu 100% verklungen - „Willst Du jetzt auf den Markt oder nicht?“ - „Wie soll ich das wissen, wenn wir da mit 70 km/h vorbeischiessen?“) in die erste richtige Georgische Stadt: Telawi (Telavi, თელავი). Parken hinter dem :“Königspalast“. Ich will mich erstmal ein bisschen in das Schneckenhaus verkriechen. Der rest der Besatzung erkundet schonmal. Frischer Granatapfel-Saft vom Strassenstand. 20 Lari. Das scheint uns iim Nachhinein doch etwas sehr überteuert - das kostet so viel, wie 8 Liter Diesel oder ein gutes Abendessen für eine Person.

Die Granatapfelverküaferin erzählt sie wäre in einem aktuellen Weiterbildungsprogramm mit einem deutschen Lehrer (?) und wollte, wenn das abgeschlossen ist in Bosnien 🇧🇦 studieren. Klingt alles sehr ungewähnlich für unsere Ohren. Generell scheint das georgische Bildungssystem grosse Probleme zu haben. Georgische Abiturienten können vom Niveau wohl auf keinen Fall an internationalen Universitäten studieren. Keine Georgische Universität wird international anerkannt und die Abgänger Georgischer Universitäten sind nicht annähernd hinreichend qualifiziert um in ein Postgraduiertenprogramm irgendwo in der Welt einzusteigen. Die drei ausländischen Universitäten, die Filialen in Georgien eröffnet hatten, mussten alle wieder schliessen, da die Studienanfänger nicht studienfähig waren.

Mit fällt auf, das die Bedienungen vom Restaurant bis zum Kiosk selbst damit den Preis für zwei Bier und ein Wasser zusammenzurechnen echte Probleme haben. Ich bin auch gewiss nicht der Meister im Kopfrechnen, aber ich mache das auch nicht den ganzen Tag. Und ich bin um Längen besser, als das Mädel, das in der Touristenhochburg hinter der Bar steht. Und nicht nur langsam mit Zettel und Stift rechnet, sondern sich auch noch bei zwei von zwei Kunden verrechnet.

Telawi

Telawi ist jedenfalls die Hauptstadt von Kachetien. Knapp 20.000 Einwohner. War mal Handelsplatz auf der Seidenstrasse, Königsstadt, heute Zentrum des georigschen Weinanbaus. Ein paar Kilometer vorher waren wir auch schon mal einem Schild “Weinroute” gefolgt, was uns aber nur an die (verschlossenen) Tore einer schicken Großkellerei brachte.

Die Stadt beherbert mit einer ca 900 Jahre alten Platane den ältesten Baum Georgiens - obwohl Telawi wohl “Ulmenstadt oder so bedeutet). Beeindruckendes Ding.

Stadtbummel. Wir besichtigen die Festung Batoni (oder ist es Gremi) hat innen hinein einen Totschicken Neubau erhalten - was da drin ist können wir nicht heraus finden. Aber der halb im Boden versenkte Bau ist auf zwei seiten mit Amphoren und auf einer mit Bänken verkleidet. Er hat - wie viele neue Gebäude - seine eigene Stromversorgung. Wer neu baut, koppelt sich hier von der Allgemeinheit ab - zumindest in elektrischer hinsicht.

Auch in der Festung stehen zwei Kapellen - eine ist mit Gerümpel und Werkzeug gefüllt - und ein Top-renoviertes Historisches Gebäude, das wir sehr maurisch finde. Auch zu und ohne weitere Erläuterungen.

Während wir aus der Festung kommen schlendert aus dem Hotel gegenüber ein dutzens schwarzbärtiger, schwarz gekleideter und gestiefelter Männer. Was sie tragen kann man wohl am ehsten als “Waffenrock” Bezeichnen. Schwarze uniformähnliche Jacke, mit angedeutetem Patronengurt. Eine Art schwarzer Rock. Silberne Dolche und gute Laune. Wirtrauen uns nicht zu fragen, was der Aufzug zu bedeuten hat. Aber so stell ich mir Ninjas aus dem Kaukasus vor. Oder die Häscher, die hinter “Kara-bin-Nemsi” “Hatschi-Halef-Omar” (Karl May) her sind.

Die Hinterhöfe und kleinen Gassen sehen sehr nach dritter Welt aus. Kabelverhaue. Gestampfter Lehm als Boden. Unrat, Chaos, aber auch immer wieder ganz nette Straßenkunst.

Beispielsweise “leave Kids alone” und darunter eine Ziegelmauer. Das ist ja wohl eine Anspielung auf Piunk Floyd’s “An other Brick in the Wall”. Von vorne sieht das meiste schon eingermassen Schnieke aus.

Wie versuchen dem Geldautomaten einer sehr feudalen Bank Lari abzuheben. Das will nicht mit der EC-Karte und der Automat verhält sich sehr komisch. (Für die Zukunft: EC-/Maestro-Karte geht in Georgien nie. Mastercard geht immer). In der Bank ist es auch sehr klimatisiert und feudal aber helfen kann auch keiner.

Daneben ein Koffer mit QR-Code auf einem alten Kamera-Stativ. “Travel with insider” bietet sich da als Reiseführer an. Cleveres Marketing, sieht sehr sympatisch aus.

Ein Hinterhof weiter Schilder für International Organisation for Migration (The UN Migration Agency) - Mission in Georgia / The European Union for Georgia. Öffnugszeiten 9:30-17:00 “The European Union Supports Safe Migration” http://www.informedmigration.ge/ Interessant - Sachen gibts!

Ich bin fasziniert von all den Autos ohne Stosstange.

Die ersten - und auch fast einzigen - Bettler, die wir im Land sehen. Ich werde dort meine Lari-Münzen los. Gleichzeitig auch seit der Heerstrasse die ersten Touristen, die wir sehen. Ob das eine eine folge des anderen ist? Ich werde meine georgischen Münzen los.

Eine Markthalle bietet natürlich ziel zu schauen. Das Fleisch ohne Kühlung - von dem ein Teil der Verkäufer die Fliegen mit Wedeln versucht ferrn zu halten; ein anderer Teil akzeptiert die Fliegen einfach. Die Hühner, die lethagisch am Boden liegen - hat dennen schon jemand die Beine gebrochen?
die spannenden Gewürze. Bei einem Bäcker kaufen wir etwas, das sich als frittierte Teigtasche mit Kartoffelpürree Füllung heraus stellt - nicht übel.

Zurück durch kleine Gasse. Ich fotografiere Haarstreubende Elektroinstallationen für den Sohnemann - den interessiert sowas. Dabei fällt mir aus, das auch jede Menge Glasfaser verbaut wird. Scheint so, als würde es hier nicht am schnellen Internet mangeln.

Ich mag ja die sozialistische Einstellung zu Kunst am Bau. Das beginnt mit Mosaiken an Bushaltestellen, geht über Wandplastiken an öffentlichen Gebüden und endet mit den diversen Monumenten und Mahnmahlen. Hier gibt es einiges zu sehen.

Dazu kommt ein gigantischen Hochhaus als Bauruine. Und das ehemalige Interhotel war lange Flüchtlingsunterkunft - wir haben es aber nicht gesehen. Auch in Tiflis gibt es angeblich ein riesen Hotel, das zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut wurde. Die Regionalverwaltung hingegen ist unglaublich schick und neu. Ich mag wirklich den Hang zur mutigen Architektur, den die hier haben.

Wir finden noch eine Bar (Hotel Erekle II) mit schickem Gartenlokal und schönem Blick hinter der Festung. Die Küche hat zwar zu aber einen Cocktail kriegen wir schon. Schick eingerichtet. Auf dem Weg zum Wohnmobil kommen wir an einem Bunt bemalten Kleinwagen vorbei. Daran, dass er noch alle Stosstangen hat, bemerke ich dass er wohl nicht von hier kommt.

Weiter zum Lagodeshi Nationalpark. Wir Wechseln die Talseite über die 70 um dann auf der 40 weiter gen Süd-Osten zu fahren. Dabei ist noch ein See ausgeschildert. Der wirkt zwar vor Ort wie ein fast trockenes Flussbett, aber ist schon für eine nette Pause mit Planschen in der grossen Hitze gut. Hier fällt uns zum ersten mal so richtig unangenehm auf, wie die Landschaft doch zugemüllt ist. Man kann praktisch keinen Schritt tun, ohne nicht in irgendwelchen Müll zu traten.
Auf dem Rückweg zur Strasse glotzen wir etwas doof zwei Kerle an, die im Flussbett geparkt haben und da mit Spaten rumgraben. „Was die da machen?“. Die Herren glotzen uns genau so verwundert an. „Was die da machen?“.

Der Lagodeshi Nationalpark wurde wohl schon zur Zarenzeit eingerichtet und geht hoch in den Kaukasus, bis nach Dagestan (in Russland). Im Grunde ein Urwald von 500 bis 2000 m üNN. Eigentlich gibt es nur zwei Strassen, die an den Rand des Parks führen und das war es. So meinen diverse Karten zumindest. Wir versuchen es erst mit dem Wasserfall nördlich von Ninigori. Die Strasse von der Stadt nach Norden ist frisch und breit asphaltiert, hat aber einige sehr tief hängende Elektroleitungen.

An der Strasse wieder viele Bienenstöcke. In Georgien werden riesige landwirtschaftliche Anhänger - wie ich sie von uns beim Heutransport kenne - mit einem Dach versehen und dann stehen da mehrere Duzend Bienenstöcke auf drei Ebenen auf dem Anhänger. Davon stehen gerne auch mal drei oder vier beieinander. Beeindruckend viele Bienenvölker an einem Platz.

Das Ende der Strasse ist erreicht. Komische Szene da. Zwei oder drei Häuser. An einer Wiese steht „Campingplatz“. Ein halbes Dutzend kreuz und quer parkende Autos und diverse Ausflügler Gruppen. Fühlt sich aber nicht so recht gut an. Zum Wasserfall (40m), der hier die Attraktion sein soll, sind es vielleicht noch 12 km. Das ist uns bei 36 °C zu weit. Pause während die Klimaanlage im Aufbau versucht die Temperatur auf ein erträgliches Maß zu bringen. Mittagsschlaf.

Dann in den Hauptort Lagodechi (ლაგოდეხი). Auf dem Weg dahin winken uns zwei Georgier anzuhalten. Ihr Mitsubishi würde nicht anspringen. Und wir als Deutsche würden doch sicher helfen können, dieses deutsche Auto wieder in Gang zu bringen. Ist nen Automatik, wir haben keinerlei Ahnung was man da tun kann.

Der Lagodeshi Nationalpark

An der Hauptstrasse von Lagodechi wird ganz schön aufregend über dem ca. 1m tiefen Strassengraben geparkt. Ein Rad rechts davon, eins links davon. Ich trau mich das nicht. Aber auf einem kleinen Markt trauen wir uns umfangreich mit Obst und Honig zu versorgen. Dann folgen wir einem Schild zum „Nationalpark-Informationszentrum“. Das führt uns durch enge Gassen bis wir auf eine grosse Strasse frisch geteerte kommen, die scheinbar der frisch hergerichtete Zugang zum Nationalpark ist. Später entdecken wir noch den holperigen alten Eingang. Kurz vor dem Park gibt es plötzlich jede Menge Hotels und Gästehäuser.

Dann ein verschlossenes Tor zum Nationalpark. Daneben eine Schranke zum Parkplatz. Wir parken erstmal auf der Strasse und wir erkunden die Lage zu Fuß. Über den Parkplatz und dann einen grossen Schritt über ein Bächlein und man ist im Park.

Das ganze wirkt erstmal mehr wie ein Kurpark, nicht wie ein Nationalpark. Irgendwas rosenartiges ist zu einem Laubengang gebunden. Zwei Pferde stehen auf dem eleganten Rasen; ein Husky tollt herum; eine Statue mit Springbrunnen; ein paar verlorene Gestalten, die umher wandern. Und - da kommt ein bisschen Nationalparkfeeling auf - ein paar Wegweiser und Schilder mit Regeln oder Erklärungen.

Wir tapsen in das Gebäude der Nationalparkverwaltung. Rechts ein unbesetzter Tresen wie der Check-in in einer Hotel-Lobby. Links eine Schicke Halle über Zwei Stockwerke mit Bildern und Texttafeln. Und in der Ecke - recht räudig - ein ausgestopfter Bär, Wolf und Luchs. Und eine Plakette, das der ganze Spass von der KFW mit-finanziert wurde.

Der Typ, der entspannt wie die Mexikanner in den Warner Brothers Zeichentrikfilmen am Eingang gesessen hatte wird aktiv und haut uns an - auf deutsch. Wir kommen schnell darauf, dass eine Kollegin vom Nationalpark Eifel hier an dem Kinder Erlebnispfad mit ihm gearbeitet hat. Das Gespräch ist aber extrem seltsam schleppend. Es scheint extrem zu irritieren, das ich als „der Mann“ in der Reisegruppe nicht die Gesprächsführung beanspruche. Mich interessieren die organisatorischen Details eines Nationalparks ehr mässig, die Beifahrerin brennend. Was werden hier denn für Schutzmassnahmen gemacht. Wie werden die Tierzählungen durchgeführt? Sozio-ökonomisches Monitoring? Wie funktioniert die Besucherlenkung? Der Senior-Ranger (Wichtig, der Titel) hat wenig Interesse an den Fragen. Sein ding scheint ehr zu sein, wer mit wem mal ein Projekt gemacht hat. Was da gemacht wurde ist eigentlich egal. Und eigentlich interessiert ihn auch nicht was wir fragen. Am Ende gehen wir etwas verstört, aber einigermassen gut informiert über die 4 Wanderwege im Park.

Wir sind ja bisher mit dem RKV Reiseführer von Marlis Kriegenherdt - aus der Reihe mit dem oinken Rand - unterwegs. Was uns schon an der georgischen Heerstrasse aufgefallenen war: Frau Kriegenherdt macht sich sehr viele Sorgen um uns. Eigentlich soll man gar nichts ohne ortskundigen Führer machen. Ob es jetzt wegen der nahem Grenze zu Südostetien (einer abtrünnigen Republik nach Ansicht der Georgier), wegen der alpinen Herausforderungen, wegen der Raubtierte, der fahrtechnischen Herausforderungen, der Hirtenhunde, der schleckt markierten Wege oder wegen der nahen Grenze zu Dagestan (ein ehr unruhiger Teil Russlands) - immer wird es dringend empfohlen, doch einen Führer zu nehmen. Beisst sich ein bisschen mit meiner Aversion gegen Verabredungen und Terminen im Urlaub. Und schnell wird dann der Ausflug ja zu einem Ausflug, wie der Führer in machen will und nicht wie ich ihn machen will. Und sei es, dass ich mir schweigend eine Stunde das Flussbett anschauen will. Und nicht durchhastend ein Gespräch über die Verwandtschaft aufgezwungen bekommen will. Vielleicht ist es auch nur Schiss vor unbekannter sozialer Interaktion und mit einem Schuss Gelassenheit und Empathie wäre ein Führer ein Mords-Spass. Aber ich bin ja im Urlaub um Spass nach meiner Façon zu haben. Und Termine machen gehört ganz klar nicht dazu.

Wir machen uns über die Führer-„Pflicht“ im Reiseführer jedenfalls seit Tagen ein bisschen lustig. Der Senior-Ranger auch. Klar könnte man sich von einem der Typen vorm Haus mit Packpferd begleiten lassen. Könnte man aber auch lassen.

Die schönste Tour ginge über drei Tage - Übernachtung auf Hütten - auf 2000 m üNN (d.h. 1500 m höher, als das Besucherzentrum) zu einem See, der halb in Georgien und halb in Dagestan liege. Oh, in Dagestan wäre es doch ein bisschen ungemütlich, meine ich. Neenee meint der (Senior) Ranger: da käme von der Russischen Seite eh nie eine Mensch hoch. Nur „hier“ und „hier“ (zeigt auf einem Foto) würden sich die Russischen und georgischen Grenzposten verstecken - sonst wären da oben nur Parkbesucher.

Wir entscheiden uns für die Wanderung zum „Black Goose“ Wasserfall. Schwarzgänse (?) sind eine endemische Art und mit einer der Gründe für die Gründung des Nationalparks. Es ist schwierig rauszufinden, wie lang der Weg sein wird. Die Angaben schwanken zwischen 8 und 14 km (eine Richtung oder Hin- und Zurück?). 5-6 Stunden und 500 Höhenmeter werden auch noch erwähnt. Wir werden es morgen rausfinden. Der Wasserfall, den wir auf dem Hinweg angesteuert hatten, wäre zwar imposanter, aber die Wanderung dahin sei weiter. Die ganze Zeit (2 Stunden ???) ging es durch das schattenlose Flussbett. Nein Danke! Uns ist schon deutlich zu heiss in der Abenddämmerung.

Dann gibt es noch eine Wanderung zu einer verfallenen Festung an der Grenze zu Azerbaijan. Die sieht auf Fotos romantisch-verfallen aus. Aber der (Senior) Ranger erzählt uns stolz, dass das Bild nicht aktuell sei und die Festung inzwischen wieder aufgebaut sei. Ist wohl auch eine mehrtägige Wanderung.

Das ganze soll nicht heissen, dass wir das Nationalparkzentrum doof oder unfreundlich fanden. Am Ende werden wir sagen, dass Lagodeshi mit abstand der beste und hilfreichste Nationalpark war. Aber Erwartungen und Kommunikationsstrukturen gehen halt doch ganz schön auseinander. Wir tragen uns jedenfalls in die Liste für Wanderer am nächsten Tag ein.

Parken wäre auch mit einem großen Wohnmobil völlig ok. Um die Schranke sollte ich mir keine Gedanken machen. Der Ranger (Senior) weist mich noch zwischen Schranke, Strassengraben und Bäumen ein. Danke, das war sehr nett.

Hinter dem Nationalparkzentrum gibt es das „Waldhotel“ und das „Waldkaffee“. Nach einer kleinen Odyssee kriegen wir da reichlich zu Trinken und zu Essen, Geniessen die Hängesessel am Pool schauen uns die anderen Gäste an, sind ein bisschen froh, dass wir ohne Kinder unterwegs sind - was für Rabauken! - und taumeln irgendwie gefühlt sehr spät zurück zum Auto.

Ganz lustig war das was aussah wie eine Exkursion einer deutschen Uni, die da auch zu Abend Speiste. Geographie oder Biologie Studenten mit ihrem Professor. Lustig anzusehen, wenn man selber aus dem akademischen Betrieb ein bisschen raus ist.

Die Georgier finden es gar nicht sehr spät. An einem Wochentag sind noch jede Menge Erwachsene und Kinder auf den Beinen, kommen vom Baden und es ist allgemein ein ziemlicher Auflauf. Der Eingang zum Nationalpark hat sich scheinbar zu einer Art community-Center entwickelt. Hier wird abgehangen, geklönt, gespielt und in einem winzigen Stausee gebadet. Schön, wenn sowas klappt. Das ganze fühlt sich ziemlich nachhaltig an.