Daheim & Unterwegs

Wandern in Lagodeshi

Früh geht es los. Am Parkeingang stehen schon Führer mit ihren Pferden bereit. Da geht es wohl um die Dreitagestour. Bei manchen der Reisenden verzweifeln die Führer, wie sie das Gepäck auf die Pferde schnallen sollen.

Ein Führer stürzt sich auf uns und drängt uns in das Gebäude der Parkverwaltung. Da steht zwar die Tür offen, aber keiner ist da. Ich glaube der Führer will dringend, das wir uns bei der Parkverwaltung anmelden. Haben wir doch gestern schon gemacht! Aber das kriegen wir nicht vermittelt. Der Führer erzählt uns derweil, das er in (Ost) Deutschland stationiert war mit der Sowjet Armee. An wechselnden Standorten.

Irgendwann kommt eine Parkmitarbeiterin die auch Deutsch spricht - das ist in Lagodeshi wohl verbreitet - ok, wir sind schon registriert, ab durch die Mitte!

Der Pfad ist anfangs langweilig breit und wird gegen Ende durchaus anspruchsvoll. Die Wegmarkierung ist, als wäre sie von meinen Kindern gemacht: manchmal sehr enthusiastisch alle 3 Meter eine Kennzeichnung, und manchmal (zu) lange gar nichts. Es geht auf Baumstämmen über grosse Bäche, ab und zu gibt es Tafeln mit lehrreichen Erläuterungen. Allerdings scheint es hier Sport zu sein, die Beschriftungsfolie von den Tafeln zu knibbeln, so dass höchstens ein Drittel lesbar ist.

Auf dem Rückweg gibt es einen bös umgeschlagenen Fuss und von da einen sehr langsamen Rückmarsch. Und als Zusatzvergnügen verlaufen wir uns im Flussbett we keine Markierungen halten.

Zurück des Weges überlegen wir: weiter fahren? Nein! Wir bleiben tatsächlich mal zwei Nächte am gleichen Ort. Wir alten Chill-Hasen! Abhängen im „Waldcafe“. Wir treffen zwei Deutsche, die grad angekommen sind. Eigentlich hatten sie das Waldhotel gebucht wurden jetzt aber irgendwo anders 500 m die Strasse untergebracht. Die Strecke wurden sie aber natürlich ins Taxi verfrachtet. Wir vermuten, dass der Taxifahrer der Schwager und der Hotelbetreiber der Cousin des Majordomos im Waldcafe sind.

Da treffen wir eine sehr rootharige und britische Mutter und Tochter, die auf der Mongol Rallye unterwegs sind. Deren auto hatten wir schon in Telawi am Vortag gesehen. Netter Plausch.

Generell ist es schwierig mit Georgiern irgendwas aus der Ferne oder gar per E-Mail zu klären. Obwohl die hier alle sehr freundlich und Geschäftstüchtig sind, bleiben elektronische Anfragen oft unbeantwortet. Die Flug Buchung bei Georgian Airways war zum Beispiel sehr abenteuerlich. An der mangelnden Übung im Umgang mit elektronischen Medien kann es nicht liegen. Vielleicht ist es ehr Unsicherheit mit der Schriftsprache - insbesondere in einer Fremdsprache? Mir war auch aufgefallen, das Russen sehr souverän Google Translate & Co verwenden; in Georgien ist mir das nicht untergekommen.

Es hängt sich sehr gut ab. Zwar will man uns nichts vom lecker duftenden Grill zum Abendessen servieren - das ist wohl vorbestellt - aber die Küche zaubert befriedigendes. Auch den auf dem Aushang beworbenen „Wald Cocktail“ gibt es nicht. Es gibt gar keinen Cocktail. Aber das Bier ist kalt, die Umgebung schön und Leute angucken macht ja auch Spaß.

Eine Gruppe aus sehr schick gemachten Damen aller Altersgruppen hat sich wohl zum Abendessen verabredet. Sehr schick gemacht allesamt. Die jüngeren besetzen unseren Liegeplatz während wir essen und surfen auf Instragram oder so. Später, als es dunkel wird, sitzt die ganze Gruppe wieder am Tisch und singt wahnsinnig schön. Ein magischer Moment, wie die klänge unter den Bäumen durch wehen.

Was generell hier beeindruckt ist wie sehr in Georgien Geschlechter getrennt leben. Schon Kinder spielen Getrennt. Die Jungs mit elterlicher Zustimmung was wildes. Die Mädchen was zivilisiertes. Und heute sehen wir minutenlang einem Mädchen zu, das soooo gerne auch mal wild wäre - sich aber nicht traut, mitzumachen.

Bei den Erwachsenen hat man das Gefühl, das Männer und Frauen fast gar nichts miteinander zu tun haben. Wenn man dem Reiseführer glaubt, arbeiten viele Georgische Frauen. Gleichzeitig liegt aber die Kinderbetreuung und der Haushalt auch eindeutig bei ihnen.

Wenn zwei Männer und eine Frau Auto fahren, sitzt die Frau selbstverständlich hinten. Und wenn die auch noch ein Kind auf dem Schoss hat, ist das für den Beifahrer noch lange kein Grund den Sitz mal ein paar Zentimeter nach vorne zu machen. Die Obststände an der Strasse werden fast ausschliesslich von Frauen betrieben. Ich frage mich, ob in Georgien Alkoholismus auch so ein Männer-Ding, wie in Russland ist.

Die Magie wird gelegentlich unterbrochen von den 500 Watt Leuchtstofflampen, die zwischen den Bäumen hängen. Wenn man irgendworan wirklich 1. und 3. Welt unterscheiden kann, dann an der Attitüde zur Beleuchtung. Die hoch entwickelte Welt hat es gern etwas schummrig und indirekt und um jede Lampe gehört ein Lampenschirm oder was vergleichbares. Der Rest der Welt freut sich, das es überhaupt beleuchtet ist und hat kein Problem mit nackten, grell-weissen Leuchtmitteln.

Hunde. Es gibt hier zwei Huskies und zwei grosse Mischlinge. Die Huskies haben auch noch alle Ohren und Schwänze. Es gibt auch eine Hundehütte, aber wer jetzt zu dem Waldhotel gehört und wer nicht ist nicht ganz klar. Die Hunde sind es jedenfalls gewöhnt verscheucht zu werden und der Grillmeister hebt auch immer mal wieder einen stein auf und wirft ihn nach den Hunden. Die Hunde ziehen dann zwar auch leine, tauchen aber kurzum wieder aus einer anderen Richtung auf und hängen im Umfeld der speisenden Gäste rum - man weis ja nicht, ob da nicht doch was zum Futtern abfällt. Der Umgang der Georgier mit den vielen Hunden ist schon etwas komisch. Wir hatten eigentlich nur ein mal das Gefühl, dass da jemand (seinen?) Hund gut behandelt. Aber konsequent gegen die Hunde ist man auch nicht.

Zwischenzeitlich kommt ein elegant gekleidetes junges Paar mit einer Karre und einer Schaufel vorbei und verschwindet im Nationalpark. Eine halbe Stunde später kommen sie zurück. Auf der Karre einen prall gefüllten Sack. Was haben die denn da nur getrieben?

Der Pool hat irgendwie eine ungute Farbe. Da wagt sich auch keiner so recht rein. Als wäre das Wasser seit 20 Jahren nicht gewechselt. Aber eigentlich ist nur die Farbe der Beckenwand ungünstig gewählt. Das Wasser ist super frisch, denn es fliest ein Bächlein durch das Schwimmbecken - was für eine nette Idee. Sorgt aber auch für durchaus erfrischend temperiertes Wasser.

Um 21:00 zurück zum Auto. Diesmal ist am Eingang des Parks praktische ein ganzer Jahrmarkt. Kinder Schiessen im Dunkeln mit LED-Leucht-Wasserpistolen, Musik, Geschnatter, irgendwo her kommt Zuckerwatte. Gegen 23:00 ist auf dem Parkplatz noch mal eine Runde Kofferraum-Disko. Wir sind der Meinung, dass die Landjugend hier einen hervorragenden Geschmack hat, was elektronische Musik angeht. Sind aber doch zu bettschwer um uns nochmal anzuziehen, und um eine Kopie der Remixe, die da laufen, zu bitten.