Daheim & Unterwegs

Waschlowani-Nationalpark

Heute soll es zum Vashlovani Nationalpark (ვაშლოვანის სახელმწიფო ნაკრძალ) gehen. Früh los, der Parkplatz ist noch ganz leer - das macht das raus-zirkeln leichter.

Unsere Bekannten vom Vorabend machen sich grade auf zu der dreitägigen Tour zum See auf der Grenze nach Azerbaijan.

Der Vashlovani Park ist südöstlich der Stadt Dedopliszqaro (დედოფლისწყარო) gelegen. Das heist es ist eigentlich ein Zipfel Georgiens, der nach Azerbaijan hinein ragt.

Der Nationalpark hat eine Steppenähnliche Landschaft mit Bizarren Felsformationen, “Badlands” mit Schlammvulkanen etc, jeder Menge besonderer Pflanzen und Tiere.

Der Reiseführer betont natürlich man würde den Park am besten mit einem kundigen Führer besuchen, aber eigentlich reicht die Anmeldung im Verwaltungszentrum des Parks, dass nicht im Park selbst, sondern in Dedopliszqaro liegt.

Wir fahren erstmal über die 5 südlich nach Tsnori, dann über die 39 / 171 Richtung Karaghaji. Versuchen dann ab Karaghaji über den Gebirgszug nach Dedopliszqaro zu kommen. Es gelingt uns nicht die Burg Khornabuji anzufahren, sondern wir müssen recht weit nach Osten, um dann eine Diagonalverbindung, die fast grade nach Western führt und in Dedopliszqaro endet. Der Pass macht Spaß und da fände sich sicher auch ein netter Platz für die nacht.

In Dedopliszqaro tanken wir und machen Rast an einem verlassenen aber eigentlich sehr schönen Ehrenmal für irgendwelche Krieger. Auch die Kalksteinbrüche & Brennöfen sowie der scheinbar stillgelegte, aber mit recht neuen Oberleitungen versehenen Bahnhof werden mit unserem Interesse bedacht.

Dann das Nationalparkzentrum. Nicht ganz so neu und schick, wie Lagodeshi. MAcht aber irgendwie schon mehr den Eindruck, als würden hier Tiere gezählt und so. Im Gebäude selbst begrüsst uns wieder ein beeindruckender Empfangstresen. Da steht zwar auch ein Computer, aber das ganze sieht so aus, als sei er ewig nicht mehr besetzt gewesen.

Es werden an einem Schwarzen Brett mehrere Touren beschrieben. Die Länge der Tourten schwankt zwischen 12 und 180 km - die sind wohl nicht alle für zu Fuß.

In den Büros ist Aktivität, aber keiner interessiert sich für uns. Ich finde eine Preisliste: T-Shirt, Kaffeetasse, Karte. Die Karte für drei Lari würde ich ja schon nehmen. Ich stapfe in das erst beste Büro - das hinter dem Empfang. “I like to buy a map”. Wortlos verweisen zwei der Insassen auf dem Dritten. Der hat was am Computer zu tun. Schaut aber dann doch irgendwann genervt auf. Erhebt sich seufzend und schlurft los. “She is doing that” er zeigt in ein Büro. Das Büro ist leer. “She is not there” spricht er und verschwindet wieder in sein Büro.

Wir gehen einkaufen und kommend dann zurück. Mit ein bisschen Paperkrieg dürfen wir eine Landkarte für drei Lari eine Karte vom Park mitnehmen. Anmelden für den Parkbesuch? Für uns fühlt sich hier so recht niemand zuständig. Dann eben nicht.

Im Auto studieren wir den Plan vom Park. Auch studierte Geographinnen werden aus dem Plan nur mässig schlau. Wir sind der Meinung, das es sich um eine der am wenigsten hilfreichen und informativen Karten handelt, die wir je in den Händen gehalten haben. Ein Hoch auf die Materialien von Lagodeshi!

Wir wollen über Zemo Kedi die 171 nach Kaklis Qure - das ist eine Semi-Enklave in Azerbaijan und es soll sich dabei um “Flood Plains” handeln. Von da wollen wir zum “Black Rock” - was auch immer das ist.

Auf dem Weg haben wir zu beginn immer mal wieder abgebrannte Felder und Grünstreifen gesehen - aber auch einmal einen halb abgebrannten Weinberg. Dann auch immer mal wieder Felder, die noch schwelen oder gar in der Ferne brennen. Das scheint keinen zu beunruhigen, ausser uns. An einer prominenten Kreuzung ist ein uraltes Tanklöschfahrzeug stationiert.

Irgendwie erwischen wir nicht die geplante Piste sondern kommen durch Kvemo Kedi. Ab Zemo Kedi wirkt das ganze wie ein einziges, ärmliches, trostloses Straßendorf. Es fühlt sich so anders an, als der rest Georgiens. Wir rumpeln weiter über eine feldwegartige, aber wunderschöne Kammstrasse. Wir können links nach Armenien reinschauen und rechts weit nach Georgien bis zum Gebirgszug, der vermutlich wieder die grenze nach Armenien ist. Sind das der Grosse und der Kleine Kaukasus, die wir da sehen?

Uns kommen immer wieder die verschiedensten Laster entgegen, die alle Getreide geladen haben.

Picknick auf eine Kuppe. Es ist 38 C und rundum nur knochentrockendes Grass. Etwas weiter unten sehen wir Erntearbeiten und in der Ferne Rauchsäulen.

Wir haben bis hier deutlich länger gebraucht, als geplant. Auf OpenStreetmap gibt es ab hier nur noch Fußwege. Aus der Park-Karte werden wir nicht viel schlauer. Vermutlich würden wir es zu den Flood-Plains schaffen, aber bei dem Tempo dauert das ewig. Also zu Black Rock, da sind irgendwelche Pictogram auf der Park-Karte. Es gibt zwar kein Foto von Black Rock, aber schauen wir mal. Kurzum finden wir ja sogar einen Wegweiser nach. Wir schaukeln also durch in der Gesamtheit beeindruckende aber im Detail etwas langweilige Landschaft. Eine auf der Karte eingezeichnete Sehenswürdigkeit mit Picknickplatz will uns nicht ins Auge fallen. Wir nähern uns irgend wann Black Rock. Da ist etwas wie eine Wetterstation und etwas wie eine Ferienhaus. Zwei Typen auf der Veranda, die eilig ins Haus verschwinde, als sie uns sehen. Nichts ausgeschildert, keine klaren Wege. Keine Parkplätze und ganz sicher nicht der in der Karte eingezeichnete Zeltplatz.

Wir halten vor der Veranda. Mal sehen, was hier geht. Der eine Typ taucht inzwischen wieder auf, er hat sich wohl die Ranger Uniform angezogen. Der andere hält sich wenig bekleidet im Hintergrund. Die kriegen hier wohl wenig Besuch. Gibt ja auch praktisch keinen Weg hier hin. Ich wäre die Piste jedenfalls nicht ohne weiteres mit einem Miet-SUV gefahren.

Das wichtigst ist denen, ob wir uns denn bei der Parkverwaltung registriert hätten. Jaja, wir waren bei der Parkverwaltung in Dedopliszqaro (Öhm). Wir haben sogar eine Karte! Schaut!! Alles gut!!!

Na dann. Jaja, die Strecke zum Park-Haupteingang sollen wir fahren; alles kein Problem; fahrt da mal lang (dann hat das Haupttor Euch an der Backe); das passt problemlos mit dem Laster.

Nein, nix ist problemlos, die Strecke ist erstmal höchst problematisch. Ein Enger Weg mit Jungem Wald auf vielleicht 1-2 km mit starker Steigung. Es endet in einer “Augen zu und Durch” Aktion. Als der Wald sich lichtet ist nicht nur ein Dachscheinwerfer hin, sondern auch der Rechte Bordsteinspiegel fehlt. Gehe ich zurück den holen? Nicht bei 39 Grad und der Steigung.

Ich werden den Spiegel die nächsten Tage noch sehr vermissen. Am ende baue ich den Linken Bordsteinspiegel nach Rechts um und bin wieder froh - links kann ich ja auch ohne Weiteres aus dem Fenster schauen, wenn ich den Bordstein sehen will.

Der Weg geht sehr schön auf einem Höhenzug aber ohne nennenswerten Wald weiter. Was uns etwas beunruhigt sind die Rauchsäulen am Horizont. Das sei jeweils lokal begrenzt, kein Thema hatte der Ranger gesagt. Uh.

Irgendwann kommen wir zum Haupteingang des Nationalparks. Auch da ist eine “Hermetische Atmosphere” - will sagen, die scheinen gut mit sich selber beschäftigt und nicht auf Besucher eingestellt. Ganz anders als Ladodeshi.

Wir beschliessen *nicht* bis zum Besucherzentrum in den Park hinein zu fahren. Die Landschaft war toll. Aber es ist sooooo heiss! Wir haben keine Lust auszusteigen oder hier zu übernachten. Und wir wollen langsam nach Swanetien, da wird die Zeit knapp.

Aber ich merke, das wüstenartige Landschaften schon mit Abstand die meiste Wirkung auf mich haben. Die Landschaften machen etwas mit mir. Vielleicht ist sogar ausgerechnet das der Grund weiter zu fahren?

Wir fahren zurück nach Dedopliszqaro. Das wird ein ziemlicher Höllenritt. Die Strecke ist länger, als gedacht und schlechter als gedacht. Rechts und links mal Feuerspuren, mal Qualm und mal (kleine) Flammen. Wir wollen schnell hier weg. 45 km/h sind zwar nicht mensch- und / materialschonend aber das ist grad nicht so wichtig. Aber Priorität hat es hier weg zu kommen.

Wir landen dann an dem Feuerwehrcamp, wo wir auf der Hinfahrt vorbei gekommen sind - da ist (inzwischen) eine Zeltstadt für vielleicht drei duzend Feuerwehrleute.

Wir wollen anders zurück als hin und glauben der Reise-Know-How Karte (World Mapping Projekt): also nehmen wir stadt der weissen Strasse wie auf dem Hinweg die gelbe. Die Gelbe entpuppt sich als “schlechter als ein Feldweg”. Eine Reisegeschwindigkeit von über 15 km/h ist da auf keinen fall möglich.

Also wieder mal zurück zum Feuerwehrcamp und ab nach Dedopliszqaro auf dem Weg, den wir vormittags gekommen sind.

Da angekommen sehen wir einen markanten Felsen - das wäre doch ein guter Übernachtungsplatz! Es dämmert.bereits und wir hatten einen anstrengenden Tag, aber wir navigieren über Pisten dahin.

Erstaunlich viel Verkehr. Dann Gedränge. In einem Wäldchen Verkaufsstände für Zuckerwatte und Plastik-Laserschwerter. Es wuselt, hupt und blinkt. Ein Polizeiauto quetscht sich an uns vorbei etwas durch’s Megaphon brüllend. Etwas weiter vorne eine Art Strassensperre - was die da genau machen ist im Blau-/Rotlichtgeblinke kaum zu erkennen. Aber ich kann eh kaum schauen, ich bin sehr damit beschäftigt niemanden umzufahren und keine Kleinwagen zu rempeln. An der Strassensperre vorbei schieben sich die Autos in einen Feldweg. Wir auch. Da steht ein ZIL-Kipper am Ende und wir stellen uns daneben. Als der Wegfährt noch schnell ein paar Korrekturzüge und wir stehen sogar wagerecht. Uffff.

Was ist um Himmelswillen hier los? Die Leute parken kreuz und quer und schleppen dann die mit Zuckerwatte ruhig gestellten Kinder den Berg rauf. Wir machen die Rollos runter - wenn es gleich ganz dunkel wird, ist damit ja wohl Schluss und essen zu Abend.

Mit nichts ist Schluss. Auch im stockfinsteren kommen immer wieder Autos und Leute kraxeln im Handy-Schein den Berg hoch. Irgendwann gibt die Polizei ihren Posto-di-Blokko auf. Kurz drauf winden sich mehrere Scheinwerferkegel den Berg hoch. Kurz drauf ein riesen Tara mit Polizei und dem dazugehörigen Geblinke.

Egal! Georgier machen ja abends gern mal länger, aber sie kommen morgens nicht gut raus. In ruhe ausschlafen ist ja auch nett: Gute Nacht!